Zahnhygiene im Kindesalter

Zeitpunkt und Häufigkeit des Zähneputzens

Bereits bevor die ersten Milchzähne im Alter von 6-8 Monaten in der Mundhöhle des Kindes erscheinen, können täglich die zahnlosen Alveolarfortsätze des Kindes mit dem Finger massiert werden. Dies soll das Kind frühzeitig an die Manipulation in seiner Mundhöhle, die später für das Nachputzen der Zähne durch die Eltern erforderlich ist, gewöhnen. Außerdem entsteht auch für die Eltern hierdurch eine frühzeitige Gewöhnung.

Ab dem Zeitpunkt des Durchbruchs der ersten Milchzähne müssen diese auch regelmäßig gereinigt werden: morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen und kann bereits mit einer speziellen Kinderzahnbürste bewerkstelligt werden. Einmal am Tag sollte dies mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta erfolgen. Darauf wird später vertiefend eingegangen.

Ab wann kann sich ein Kind eigenständig die Zähne putzen?

Eine Beobachtungsstudie an 40 Vorschulkindern ergab, dass nur die Hälfte der Kinder die Kauflächen ihrer Backenzähne und kein einziges Kind die Außenflächen vollständig und sicher putzten. Demnach sollten zwar Kinder zur Etablierung einer Gewohnheit an die selbstständige Benutzung der Zahnbürste gewöhnt werden, sobald sie laufen können, die Eltern aber für eine gute PIaqueentfernung mindestens einmal täglich - vorzugsweise abends - nachreinigen. Empfohlen wird dieses Prozedere, bis das Kind flüssig schreiben kann, also etwa bis zur 3. Schulklasse mit etwa 9 Jahren.

Ein besonderes Problem bei der häuslichen Mundhygiene ist der erste bleibende Molar. Er bricht etwa zeitgleich mit den mittleren Unterkieferschneidezähnen im Alter von 5-6 Jahren zunächst im Unterkiefer durch. Während der Durchbruch der Frontzähne aufgrund der guten Sichtbarkeit von den Eltern immer bemerkt wird, ist dies bei den ersten Molaren meist nicht der Fall. Diese brechen hinter den zweiten Milchmolaren durch und werden durch diese so verdeckt, dass sie während der Dauer ihres Durchbruches nur schwer zu entdecken sind. Da sie in dieser Zeit unter dem Niveau der Kauflächen der Michzähne liegen, werden ihre besonders kariesanfälligen Kauflächen beim Putzen nicht erreicht. Dies trägt dazu bei, dass der erste bleibende Molar der Zahn mit dem höchsten Kariesrisiko des gesamten bleibenden Gebisses ist.

Handzahnbürsten

Bei Verwendung einer Handzahnbürste sollten in den ersten 4-5 Lebensjahren grundsätzlich 2 Zahnbürsten vorgehalten wenden: Eine, mit der das Kind selbst putzt, und eine, mit der die Eltern nachputzen. Dies hat 2 Gründe. Zum einen kauen kleine Kinder bei selbstständigem Zähneputzen meist nur auf der Zahnbürste herum und machen sie dadurch sehr schnell für eine gute Reinigung unbrauchbar. Zum anderen fasst das Kind die Zahnbürste im Faustgriff und braucht daher eine Bürste mit dickem, kurzem Griff. Für das Nachputzen durch die Eltern ist aber eher eine Zahnbürste mit längerem, schmalem Griff geeignet. Entsprechend dem Wachstum des Kindes soll die Zahnbürste »mitwachsen«.

Einige Hersteller bieten daher abgestufte altersangepasste  Kinderzahnbürsten   an.

Das Borstenfeld der Zahnbürste sollte über einzeln stehende Borstenbüschel zur besseren Reinigung verfügen. Solche Zahnbürsten können besser in diese engen Spalträume eindringen als solche mit einem kompakten Borstenfeld. Günstig sind auch Borstenfelder mit einem Wechsel aus außen längeren und innen kürzeren Borsten, weil sie sich besser an die Form des Zahnes anpassen und auch den Bereich des Zahnfleischrandes besser reinigen können als herkömmliche Bürsten.

Die Zahnbürsten sollten über endgerundete Nylonborsten verfügen, um Verletzungen des Zahnfleisches zu verhindern. Naturborsten sind aus hygienischen Gründen (bakterielle Besiedelung der Markkanäle der Borstenhaare) und weil sie schnell aufspleißen abzulehnen.

Für die Anwendung der Handzahnbürsten werden altersgerechte Putztechniken empfohlen. Im Alter von etwa 2 Jahren können Kinder erlernen, die Kauflächen ihrer Backenzähne mit einer einfachen Schrubbtechnik zu reinigen. 3-4-Jährige können zusätzlich beginnen, die Außenflächen ihrer Backenzähne zu putzen. Dazu werden die Zähne zusammengebissen und mit kreisförmigen Bewegungen die Zähne von Ober- und Unterkiefer gleichzeitig geputzt. Vollendet werden kann das Putzen des kompletten Gebisses im Alter von 4-5 Jahren, wenn zusätzlich bei geöffnetem Mund die Innenseiten der Zähne mit fegenden Bewegungen von rot (Zahnfleisch) nach weiß (Zähne) gereinigt werden.

Die Putztechnik, die auch in Kindergärten und Schulen standardmäßig unterrichtet wird, bezeichnet man als KAI -Methode (K = Kauflächen, A= Außenflächen, I= Innenflächen). Bezogen auf die Gebissreinigung ist diese Technik nicht besonders effektiv; es ist bei der Rotationsmethode auf den Außenflächen der Zähne auch ungünstig, dass teilweise zum Zahnfleisch hin geputzt wird. Die KAI-Methode trägt aber der altersgemäßen Entwicklung eines Kindes Rechnung und führt an ein systematisches Zähneputzen heran.

Das Erlernen dieser Systematik führt noch nicht dazu, dass das Kind selbstständig alle Zähne effektiv putzen kann: bis zum Alter von etwa 9 Jahren muss durch die Eltern nachgereinigt werden. Dabei ist besonders auf die im Alter zwischen 5 und 12 Jahren durchbrechenden bleibenden Zähne zu achten.

Im Alter von 9-10 Jahren sollte jedoch auf eine andere Technik, z.B. auf die Fegetechnik, umgestellt werden. Dabei wird jeweils die Zahnbürste in einem Winkel von etwa 45° mit den Borstenenden zum Zahnfleisch hin so ausgerichtet, dass jeweils etwa die Hälfte des Borstenfeldes auf dem Zahnfleisch und die andere Hälfte auf den Zähnen liegt. Sodann wird von rot nach weiß ausgefegt. Pro Zahn bzw. Zahngruppe sollte dieser Bewegungsablauf etwa 4-5-mal ausgeführt werden.

Neben dieser Technik ist vor allem auch wichtig, dass beim Zähneputzen eine feste Systematik eingehalten wird, damit nicht bestimmte Zähne regelmäßig beim Putzen »vergessen« werden. Dazu sollte man jeweils an einem Ende des Zahnbogens (z. B. rechts oben außen) mit dem Putzen beginnen und dann bis zur gegenüberliegenden Seite wandern. Nach der Reinigung der Außenflächen geht es mit der Reinigung der Innenflächen zurück zum Ausgangspunkt. So werden zuerst die Zähne des einen und dann die des anderen Kiefers geputzt. Zuletzt kommen die Kauflächen dran, die mit einfacher Schrubbtechnik geputzt werden.

Wenn die Kinder selbstständig ihre Zähne putzen, sollten auch differenziertere Empfehlungen zur Härte der Zahnbürstenborsten gegeben werden. In eigenen Studien konnte gezeigt werden, dass härtere Borsten signifikant besser Plaque entfernen als weiche, aber auch eher zu Zahnfleischverletzungen führen. Deshalb sollte selbstständig putzenden Kindern mit schlechter Mundhygiene eher eine harte und Kindern mit einer Neigung zu Zahnfleischverletzungen eher eine weiche Zahnbürste empfohlen werden.

Eine Besonderheit unter den Handzahnbürsten ist die Superbrush. Sie verfügt über 3 Köpfe, die die Zahnreihe gleichzeitig von oral, vestibulär und okklusal reinigen. Eine eigene klinische Studie hat gezeigt, dass die Superbrush erheblich   besser  als  eine  konventionelle Handzahnbürste und eine ebenfalls getestete elektrische Zahnbürste reinigt.

In der Studie wurde die Effektivität der Superbrush bei 6-12-jährigen Kindern und bei Erwachsenen untersucht. In beiden Altersgruppen war die Superbrush ihren Konkurrenten deutlich überlegen. Dies hat mehrere Gründe: Mit der 3-köpfigen Bürste lassen sich 3 Zahnflächen auf einmal putzen, wodurch sich bei gleicher Putzzeit eine bessere Reinigung erzielen lässt. Darüber hinaus kann man bei Verwendung der Superbrush kaum einen Fehler machen. Indem man die Zahnbürste auf den Zahn aufsetzt, nehmen die äußeren und inneren Borstenbüschel automatisch einen Winkel von 45° zur Zahnachse ein. Das entspricht dem bei den meisten Techniken empfohlenen Anstellwinkel. Die Superbrush ist in einer speziellen Kindergröße erhältlich. Nach einer Studie von van Steenkiste eignet sich die Superbrush wegen ihrer einfachen Handhabung auch besonders gut zum Nachputzen durch die Eltern.


Elektrische Zahnbürsten

Elektrische Zahnbürsten verbessern die Mundhygienecompliance von Kindern und haben daher grundsätzlich einen Vorteil gegenüber Handzahnbürsten. Elektrische Zahnbürsten der neueren Generation können grob in 2 Kategorien eingeteilt werden:

o Geräte mit runden Bürstenköpfen, die mit einer Frequenz von bis zu 73 Hz (entsprechend 8800 Seitwärtsbewegungen) und einem Rotationswinkel von etwa 50°-70° oszillieren.

o Sog. schallaktive Zahnbürsten, bei denen der Bürstenkopf mit einer Frequenz von 250 Hz bis etwa 350 Hz und einer Amplitude von etwa 2-4 mm seitwärts schwingt. Häufig werden diese Bürsten fälschlicherweise als Ultraschallzahnbürsten bezeichnet. Echte Ultraschallzahnbürsten haben bislang wenig Verbreitung gefunden. Die rotierend-oszillierenden Geräte weisen zwar ebenfalls eine Schwingungsfrequenz auf, die im Bereich des hörbaren Schalls liegt, und es ist auch nicht der Schalldruck, der zu einer besonderen Reinigungswirkung führt. Aber der Begriff »schallaktiv« oder »sonic« hat sich für diese Geräte etabliert und findet daher auch hier Verwendung.

Geräte beider Kategorien gibt es in speziellen Ausführungen für Kinder. Daneben gibt es diverse Nischenprodukte mit geringer Bedeutung.

Gute elektrische Zahnbürsten sind in Bezug auf ihre Reinigungseffektivität den Handzahnbürsten überlegen. Allerdings kann diese Überlegenheit auch wieder ausgeglichen werden, wenn mit einer Handzahnbürste entsprechend länger geputzt wird. 

Im Vergleich der beiden Typen elektrischer Zahnbürsten miteinander ist die rotierend-oszillierende Bürste eher für Kinder geeignet, die sehr sorgfältig nach Herstellerangaben putzen. Die Putztechnik entspricht nämlich derjenigen, die von einer Prophylaxefachkraft bei einer professionellen Zahnreinigung angewendet wird. Das bedeutet, dass Zahn für Zahn gereinigt werden muss und dass es wichtig ist, die Bürste exakt am Zahnfleischsaum entlang zu führen.

Die Schallzahnbürste ist weniger anwendungsempfindlich. Sie wird wie eine Hand-Zahnbürste bei der Fegetechnik schräg angesetzt und am Zahnfleischsaum entlang des Zahnbogens geführt. Zur Verbesserung der Putzwirkung kann auch eine leicht »ausfegende« Bewegung wie bei der Fegetechnik durchgeführt werden.

Häufig wird das Argument vorgebracht, dass Kinder zunächst im Umgang mit einer Handzahnbürste geübt sein müssen, bevor sie mit einer elektrischen Zahnbürste putzen dürfen. Bis zum Alter von etwa 3 Jahren mag dieses Argument aufgrund der geistigen Reife, die ein Kind für den Umgang mit der Technik benötigt, korrekt sein. Allerdings zeigen klinische Studien, dass bereits 2-4-Jährige nach Nachputzen durch die Eltern mit einer elektrischen Zahnbürste diese genauso gut tolerieren wie mit einer Handzahnbürste, bei 4-6-Jährigen wird die elektrische Bürste sogar bevorzugt. Eine Studie an 4-6-Jährigen zeigt, dass die Kinder, die eigenständig mit elektrischen Zahnbürsten ihre Zähne putzten, signifikant bessere Putzergebnisse erzielten als jene Kinder, die mit einer Handzahnbürste putzten.

Ein erhöhtes Unfallrisiko bei Verwendung einer elektrischen Zahnbürste durch Kinder besteht erfahrungsgemäß nicht. Wichtig ist, dass das Kind während des Zähneputzens nicht herumläuft, denn sowohl bei Hand- als auch bei elektrischen Zahnbürsten besteht nach Angaben der Hersteller das größte Risiko, beim Herumlaufen während des Zähneputzens auf das Gesicht zu stürzen und sich dabei Rachenverletzungen mit der Zahnbürste zuzufügen. Insgesamt spricht also nichts dagegen, bereits 4-Jährige selbstständig mit einer elektrischen Zahnbürste putzen zu lassen. Aufgrund eigener Erfahrungen funktioniert das Nachputzen mit einer elektrischen Zahnbürste ohnehin besser als mit einer Handzahnbürste.


Zahnputzdauer

Klinische Studien belegen sowohl für Hand- als auch für elektrische Zahnbürsten, dass eine längere Zahnputzzeit signifikant positiv mit einer besseren Plaqueentfernung korreliert. Es wurde aber auch gezeigt, dass die zur Mundhygiene aufgewendete Zeit zumeist deutlich falsch eingeschätzt wird, was in der Regel zu einer deutlichen Unterschreitung der empfohlenen Zahnputzdauer führt.

Da für jedes Individuum von einer unterschiedlichen Effizienz der Plaqueentfernung ausgegangen werden muss und außerdem unterschiedliche dentale Voraussetzungen zu berücksichtigen sind, lässt sich keine einheitliche Empfehlung für eine Zahnputzdauer aussprechen. Für die üblicherweise empfohlenen 3 Minuten gibt es keine wissenschaftliche Evidenz. Ziel der häuslichen Mundhygiene muss weitgehende Freiheit von Plaque und Gingivitis sein. Daher kann die Bestimmung der individuell benötigten Zahnputzzeit sinnvoll sein. Diese kann jeder Patient zu Hause ermitteln, indem er mit einer handelsüblichen Plaque Färbetablette, die über Apotheken, Drogerien oder das Internet bezogen werden kann, die Plaque anfärbt und dann die Zeit bestimmt, die er bis zur Plaquefreiheit benötigt.


Reinigung der Zahnzwischenräume

In einem optimal ausgebildeten Milchgebiss stehen die Zähne lückig. Dies gewährleistet, dass für die breiteren Zähne des bleibenden Gebisses ausreichend Platz vorhanden ist. Für die Mundhygiene bedeutet das, dass nur ein sehr geringes Risiko besteht, dass diese Milchzähne an den Approximalflächen, also den Flächen, die den jeweiligen Nachbarzähnen zugewandt sind, eine Karies entwickeln.

Allerdings ist diese optimale Situation im Milchgebiss häufig nicht gegeben, und spätestens dann, wenn die ersten bleibenden Zähne durchbrechen, treten diese in engen Kontakt zu ihren Nachbarzähnen. Dadurch besteht an den Kontaktflächen, die mit der Zahnbürste kaum erreichbar sind, ein Risiko für die Entstehung einer sog. Approximalkaries, die klinisch erst erkennbar wird, wenn es bereits zu einer umfangreichen Schädigung des Zahnes gekommen ist. Daher ist es wichtig, die Approximalflächen aller in Kontakt stehenden Zähne, egal, ob im Milch-, Wechseloder bleibenden Gebiss, mindestens alle 2Tage mit Zahnseide zu reinigen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Verwendung der Zahnseide Approximalkaries und Gingivitis effektiv vorbeugen kann.

Da die Handhabung der Zahnseide bei Kindern schwierig ist, sind bereits auf Halter vormontierte Zahnseiden besonders zu empfehlen. Sie sind auch für die Kinder selbst bereits ab dem Schulalter anwendbar. Sie sind häufig bunt und mit einem besonderen Geschmack versehen, was die kindliche Compliance verbessert.


Zahnpasten

Da es bei der häuslichen Mundhygiene nicht möglich ist, die Plaque immer vollständig zu entfernen, ist die regelmäßige Anwendung von Fluoridzahnpasta und anderen Fluoridpräparaten zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Zahnhartsubstanz notwendig. Daher ist das Fluorid der mit Abstand wichtigste Inhaltsstoff einer Zahnpasta. Weitere Inhaltsstoffe spielen für Kinder keine wesentliche Rolle.

Die Untersuchung der Wirksamkeit von Fluoridzahnpasten war Gegenstand einer Cochrane-Review. Insgesamt 70 Studien konnten in eine Metaanalyse eingeschlossen werden, die für Fluoridzahnpasten im Vergleich zu fluoridfreien eine Karieshemmung von 24% ergab. Eine detaillierte Analyse der Daten zeigte darüber hinaus eine Abhängigkeit der kariesprophylaktischen Wirksamkeit von der Häufigkeit ihrer Anwendung. So wurde für den zweimal täglichen Gebrauch eine um 14% höhere Karieshemmung gefunden als für die einmal tägliche Anwendung.

Diese Karieshemmung berücksichtigt nicht den präventiven Effekt der Plaqueentfernung durch das Zähneputzen, der noch hinzukommt. Daher muss das zweimal tägliche Zähneputzen mit einer Fluoridzahnpasta als unverzichtbar, weil höchst effiziente Maßnahme der Kariesprophylaxe, angesehen werden. Da die Fluoridkonzentration für den kariespräventiven Effekt mit entscheidend ist, sollte eine Zahnpasta möglichst nahe an die von der Kosmetik-Verordnung gesetzte Obergrenze von 1500 ppm herankommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 1 500 ppm praktisch nicht erreicht werden können, weil es produktionsbedingte Schwankungen der Fluoridkonzentration gibt, in jedem Fall aber verhindert werden muss, dass es zu einer zu hohen Konzentration kommt.

Für Kinder bis zum 6. Geburtstag gibt es bezüglich der Empfehlung von Fluoridzahnpasta jedoch Einschränkungen, um einer Zahnfluorose vorzubeugen. Die Zahnfluorose, die sich in weißlich bis bräunlichen Flecken auf der Schmelzoberfläche äußert, hat zwar in den üblicherweise anzutreffenden Ausprägungen keinen Krankheitswert, ist aber häufig ästhetisch störend und sollte daher vermieden werden. Eine Fluorose an den sichtbaren Zähnen des bleibenden Gebisses kann bis zum Alter von etwa 6 Jahren durch die Einnahme von Fluoridtabletten, aber auch durch das regelmäßige Verschlucken von fluoridhaltiger Zahnpasta verursacht werden. Kinder bis zum 6. Geburtstag sollten zur Vermeidung einer Zahnfluorose daher eine Kinderzahnpasta mit reduziertem Fluoridgehalt (am besten 500 ppm) verwenden.

Dabei ist darauf zu achten, dass die Kinderzahnpasten nicht mit sog. Juniorzahnpasten verwechselt werden. Juniorzahnpasten sind für die Altersgruppe der 6-12-Jährigen vorgesehen und haben einen ähnlich hohen Fluoridgehalt wie Erwachsenenzahnpasten. Sie sind geschmacklich auf die Vorlieben dieser Altersgruppe abgestimmt, entsprechen jedoch in der äußeren Aufmachung (z. B. Comic-Aufdrucke) eher den Kinderzahnpasten, was das Risiko einer Verwechslung in sich birgt. Die Eltern von Kindern <6 Jahren sind daher darauf hinzuweisen, dass sie auf Aufschriften wie »500 ppm Fluorid«, »für Kinder unter 6 Jahren« oder »für Milchzähne« achten müssen. Zur Sicherheit kann auch ein konkretes Produkt empfohlen werden.


Leitlinie zur Anwendung von Fluorid im Kindesalter

Für die Anwendung von Fluorid im Kindesalter haben Vertreter der Pädiater und Zahnärzte gemeinsam eine S2k-Leitlinie erarbeitet.

Demnach sollen in einer Variante 1 die Zähne des Kindes bis zum 2. Geburtstag einmal täglich - am besten vor dem Zubettgehen - mit einem dünnen Film fluoridhaltiger Kinderzahnpasta mit 500 ppm Fluorid geputzt werden. Am Morgen sollte demnach entweder ohne Zahnpasta oder mit einer fluoridfreien Zahnpasta geputzt werden. Ab dem 2. Geburtstag soll zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta geputzt werden, und ab dem 6. Geburtstag zweimal täglich mit einer Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit einer »normalen« Menge Zahnpasta (etwa 1-1,5 cm Zahnpastastrang). Zusätzlich zu dieser Form der Fluoridanwendung sollte bei der Speisenzubereitung fluoridhaltiges Speisesalz Verwendung finden.

Alternativ zu dieser Empfehlung bietet die Leitlinie eine Variante 2 mit der Verwendung von Fluoridtabletten an. In dieser Variante soll kein fluoridiertes Speisesalz verwendet werden und bis zum 3. Geburtstag auch keine fluoridhaltige Zahnpasta. Wird diese Option gewählt, ist unbedingt darauf zu achten, dass die Fluoridtabletten von dem Kind gelutscht werden, damit das Fluorid in der Mundhöhle seine lokale Wirkung entfalten kann. Kann das Lutschen der Tabletten nicht gewährleistet werden, sollte unbedingt auf die Variante 1 umgestiegen werden. Die in der Regel kombinierte Vitamin-D-Prophylaxe muss dann mit einem Monopräparat erfolgen. Es muss auch darauf geachtet werden, dass beim Absetzen der Tablettenfluoridierung (oft nach dem 2. Lebenswinter des Kindes) ebenfalls auf Variante 1 umgestiegen wird.

Die Leitlinie sieht weiterhin vor, dass bei einem erhöhten Kariesrisiko ab dem 6. Geburtstag zusätzlich zu der erläuterten Basisprophylaxe einmal wöchentlich ein hoch konzentriertes Fluoridgel mit 12500 ppm Fluorid oder täglich eine fluoridhaltige Mundspüllösung mit 250 ppm Fluorid Anwendung finden soll.


Mundspüllösungen

Bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko kann ab dem 6. Geburtstag alternativ zu einem Fluoridgel auch eine Mundspüllösung eingesetzt werden. Diese bietet sich dann an, wenn neben einem erhöhten Kariesrisiko auch eine chronische Gingivitis vorliegt, wie sie häufig bei Kindern auftritt, die sich in kieferorthopädischer Behandlung befinden. Im Gegensatz zu dem Fluoridgel, das nur kariesprophylaktisch wirkt, enthalten Mundspüllösungen neben Fluorid auch noch antimikrobiell wirkende Stoffe, mit denen sich eine Gingivitis zumindest reduzieren lässt. Mundspüllösungen, die für den täglichen Gebrauch vorgesehen sind, enthalten in niedrigen Konzentrationen folgende antimikrobielle  Substanzen:

o    Chlorhexidindigluconat (CHX).

o    Cetylpyridiniumchlorid (CPC).

o    Aminfluorid/Zinnfluorid.

o    Ätherische Öle.

o    Triclosan.

Bei Kindern sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass nur alkoholfreie Spüllösungen Verwendung finden. Mundspüllösungen mit antimikrobiellen Substanzen reduzieren eine bestehende Gingivitis um etwa 20% und Plaque um etwa 40%.


Zusammenfassung

Die bakterielle Plaque ist der entscheidende ätiologische Faktor für die Entstehung von Karies, Gingivitis und in deren Folge Parodontitis. Daher ist ihre regelmäßige gründliche Entfernung bereits ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt gesunder Zähne.

Altersgemäß werden unterschiedliche Zahnputztechniken für Kinder empfohlen:Bis zum Alter von etwa 9 Jahren ist es unerlässlich, dass Eltern die Zähne ihrer Kinder nachreinigen.

Neben Handzahnbürsten sind bereits bei Kindern ab 4 Jahren elektrische Zahnbürsten für die selbst ausgeübte Mundhygiene und das Nachreinigen durch die Eltern geeignet. Sobald Zähne im approximalen Kontakt stehen, ist auch eine regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume erforderlich. Hierzu stehen auf Halter vormontierte Zahnseiden zur Verfügung. 

Da es bei der häuslichen Mundhygiene nicht realistisch ist, die Plaque immer vollständig zu entfernen, ist die regelmäßige Anwendung von Fluoridzahnpasta und anderen Fluoridpräparaten zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Zahnhartsubstanz notwendig. 

Zum Schutz des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates kann es darüber hinaus erforderlich sein, bei Kindern ab 6 Jahren antimi-krobielle Mundspüllösungen einzusetzen.