Information und Therapie bezüglich chronischer Verstopfung (Obstipation)

 

Ursache: meist ausgelöst durch einen schmerzhaften Stuhlgang – dabei oft Einriss an der Analschleimhaut. Beim nächsten Stuhlgang erneutes Aufreißen der Schleimhautwunde und wieder Schmerzen. Also lernt das Kind, dass Stuhlgang schmerzhaft ist – und natürlicherweise hält es den nächsten Stuhl so lange wie möglich zurück, um eben keine Schmerzen zu haben. Leider macht der nun angesammelte große Stuhlbrocken erst recht große Schmerzen – und der Teufelskreis beginnt...

 

Durch den andauernd großen „Stuhlstein“ im Enddarmbereich „verlernt“ der Darm richtig zu funktionieren – der Stuhldrang wird immer weniger. Oft bröckeln nur noch kleine Teile dieses Stuhlsteines von unten weg, von oben setzt sich neuer normalweicher Stuhl darauf und verhärtet wieder.

Das Kind lernt im Laufe der Zeit, dass Stuhlgang etwas Schreckliches ist – dabei sollte es eigentlich ein angenehmes Erlebnis sein! Dazu kommt noch, dass das „Thema Stuhl“ innerhalb der Familie nun immer wichtiger wird und auf alle ernormen Druck ausübt. Eine katastrophale Situation bahnt sich an – das Kind mitten drin... – oft kommt es soweit, dass sich das Kind gar nicht mehr am Popo berühren oder wickeln lässt – was auch verständlich ist.

 

Die Therapie erfordert große Geduld – und geht natürlich nicht „über Nacht“. Man kann sich vorstellen, wie lange es dauert, den schmerzgeplagten Darm und den „Kopf“ des Kindes wieder umzugewöhnen.

Ziel ist es, den Darm wieder an eine normale Stuhlsituation zu gewöhnen, die Schleimhautwunden im Analbereich abheilen zu lassen und dem Kind wieder zu lernen, dass der Stuhlgang etwas ganz Selbstverständliches und auch Angenehmes ist.

  1.) Man muss wieder normale Grundverhältnisse im Enddarm herstellen – also den meist schon sehr großen Stuhlstein entfernen. Das macht man mit Einläufen (beim  Arzt oder Spital) – oft reicht eine einmalige Darmspülung gar nicht aus, um all das Aufgestaute heraus zuholen.

  2.) Dann muss man den Stuhl künstlich so weich halten (wie künstlicher Durchfall), dass es gar nicht mehr zu einer Verstopfung und Stuhlsteinbildung kommen kann, der Stuhlgang daher auch keine Schmerzen mehr verursacht und so nun auch die Analschleimhautrisse abheilen können, da der Anus nun nicht mehr so stark aufgedehnt wird. Das erreicht man ganz leicht durch Gabe einer Lactose-Lösung (zB.LAEVOLAC): Zucker zieht Wasser an – also holt sich die eingenommene Zuckerlösung mehr Wasser in den Darm und macht den Stuhl weich bis flüssig.

Keine Angst! – das ist kein Abführmittel, hat keinen Gewöhnungseffekt und schädigt nicht den Darm.

Das ist nun die große Aufgabe der Eltern: Sie müssen nun jeweils soviel von dem Lactose-Lösung verabreichen, sodass der Stuhl immer sehr weich bis flüssig ist. Je nach Verfassung des Körpers benötigt man manchmal mehr oder weniger. Begonnen wird nach Ausräumung des Enddarms mit 3x5 Teelöffel (TL). Wird der Stuhl nun sehr flüssig, geht man auf 3x4 TL zurück – ist der Stuhl härter, erhöht man – immer soweit, bis endlich dünner Stuhl kommt. Sollte ein Tag kein Stuhl sein, gibt man einmal zB.10 TL, wiederholt es so lange, bis Stuhl kommt, geht dann wieder zurück usw. Es sollte nie länger als 2 Tage kein Stuhl abgesetzt werden!!

  3.) Um die Analrisse abzuheilen, schmiert man den Anus 3x täglich mit einer Wundsalbe (INOTYOL-Salbe) ein.

  4.) Ein wesentlicher Faktor ist natürlich die Ernährung. Ein entsprechender Ernährungsplan wird beigelegt.

  5.) Das größte Problem ist meist die schon umgewandelte allgemeine Familiensituation: Oma, Opa, Tante und Eltern „tanzen“ für den erhofften Stuhlgang des Kindes– schrecklich, aber meist die Realität.

Loben Sie Ihr Kind und freuen Sie sich mit ihm, wenn es wieder funktioniert – aber machen Sie kein großes Thema daraus! Der Stuhlgang ist etwas Selbstverständliches und soll nicht zum Thema werden – das ist Ihrem sowieso schon stuhlgeplagten Kind nur unangenehm und fixiert es nur immer weiter darauf. Also bitte ......!!!!!!

Machen Sie sich klar, dass diese Therapie sehr lange dauern kann – und es nur von Ihrer Geduld abhängt, wann und ob Ihr Kind je wieder normal Stuhl absetzen kann.

Bei länger andauernden Beschwerden oder keinem Therapieerfolg sollte eine Kinderchirugie aufgesucht werden, um eine weitere Abklärung durchführen zu lassen.

Ernährung bei Darmträgheit und chronischer Verstopfung (Obstipation)

Von den vielfältigen Ursachen der Darmträgheit (Verstopfung) ist die falsche Ernährungsweise - insbesondere der Mangel an Ballaststoffen - am häufigsten.

 Weitere Ursachen sind z.B.

- die zu geringe Flüssigkeitszufuhr

- Bewegungsmangel

- wiederholte Unterdrückung des Stuhldranges

- psychische Belastungen

- langfristige Einnahme von Abführmitteln

 

Allgemeine Richtlinien:

reichlich energiearme Flüssigkeit trinken ( mind.1.5 - 2 L/Tag) wie Wasser, Mineralwasser, ungesüßten Tee (keinen Schwarztee), Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz.

Fett in normaler Menge verwenden (bei Übergewicht reduzieren)

Ausreichend körperliche Bewegung - gezielte Bauchgymnastik

Stuhltraining zu regelmäßig festgesetzten Tageszeiten, ohne Hektik und Eile, ist 
  wichtig!

Mehrere, kleine, ballaststoffangereicherte Mahlzeiten über den Tag verteilt essen

 

UMSTELLUNG DER ERNÄHRUNGSGEWOHNHEITEN:

An Nahrungsmittel zu bevorzugen sind:

Vollkornbrote, Frischkornbrei, Müsli, Nüsse

Vollkornreis, Kartoffeln und diverse Kartoffelgerichte, Perlweizen Spätzle, Nockerl aus Vollkornmehl

Backwaren aus Vollkornmehl, Weizenschrotmehl,

Obst, besonders in roher Form, Trockenobst

Salate u. Gemüse - hauptsächlich in Form von Rohkost

Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch

 
An Nahrungsmittel zu meiden sind:

Semmeln, Weißbrot, Milchbrot, Kipferl

polierter Reis, Teigwaren, Semmelknödel

Zucker und Süßigkeiten, Schokolade, Pralinen

Bananen, Heidelbeeren

 

WICHTIG:
Wenn Dein Körper noch nicht an eine hohe Ballaststoffzufuhr gewöhnt ist, solltest Du vor allem die Vollkornprodukte, Obst- und Gemüsemenge erst allmählich steigern, um übermäßige Blähungen zu vermeiden.

 

NATÜRLICHE" HILFSMITTEL:
Milchzucker: in verschiedene Getränke od. Speisen einrühren

Weizenkleie oder geschroteter Leinsamen: (ca. 15g pro Tag) in Joghurt, Fruchtjoghurt, Buttermilch, Sauermilch, Apfelmus. WICHTIG: Immer reichlich dazu trinken !!!